von Amalia Schöne. „And until we meet again“ – dieser Satz aus unserem letzten gemeinsamen Chorlied beschreibt für mich wohl am besten, was von meiner Zeit bei der Schülerakademie in Papenburg geblieben ist. 13 Tage lang durfte ich im August 2026 gemeinsam mit rund 100 Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland lernen, lachen, Neues ausprobieren und vor allem viele besondere Menschen kennenlernen.
Die Schülerakademie ist ein Angebot für engagierte und motivierte Schülerinnen und Schüler und verbindet fachliches Arbeiten mit vielen gemeinsamen Aktivitäten. Für mich war es die erste und zugleich einzige Gelegenheit, an einer solchen Akademie teilzunehmen. Umso aufregender war die Anreise, denn Papenburg liegt rund 650 Kilometer von meinem Zuhause entfernt und ich kannte dort niemanden. Dementsprechend nervös war ich, als ich am 04.08. ankam. Schnell stellte sich heraus, dass alle in einer ähnlich aufgeregten Situation waren, da niemand irgendjemanden kannte. Genau das machte es aber überraschend leicht, neue Kontakte zu knüpfen. Schon am ersten Tag lernte ich viele Menschen kennen und fand sogar bereits eine große Gruppe an Freunden.
Insgesamt gab es sechs verschiedene Kurse. Während die meisten einen naturwissenschaftlichen oder technischen Schwerpunkt hatten, war mein Kurs „Konflikte zwischen Höhle und Hof“ der einzige gesellschaftswissenschaftliche Kurs. Dort beschäftigten wir uns mit verschiedenen Epochen von der Steinzeit bis zum Mittelalter, arbeiteten mit historischen Quellen, hielten Vorträge und erstellten eigene Ausarbeitungen. Auch wenn mein persönliches Interesse an den behandelten Themen nicht immer so groß war, wie das mancher Kursmitschüler, war die Arbeitsweise eine spannende Abwechslung zum normalen Schulunterricht.
Der Alltag bei der Akademie war gut gefüllt. Nach dem Frühstück trafen sich alle um 08:15 Uhr zum gemeinsamen Plenum. Dort wurde unter anderem die „Papenschau“ präsentiert, was eine humorvolle Mischung aus Tagesschau und Akademie-Insidern war. Jeden Tag wurde ausgelost, welcher Kurs die nächste Ausgabe vorbereiten durfte. Neben einigen echten Nachrichten gab es vor allem lustige Geschichten aus dem Akademieleben, Memes und Abstimmungen. Danach folgte die erste Kursschiene von 09:00 bis 12:20 Uhr mit einer kleinen, aber wichtigen 20-minütigen Kekspause. Nach dem Mittagessen begann die sogenannte KüA-Zeit, in der man unabhängig vom eigenen Kurs verschiedensten Aktivitäten nachgehen konnte.
Für mich waren vor allem diese kursübergreifenden Aktivitäten besonders schön. Ich war regelmäßig im Chor, probierte mich aber auch in Theater, Kreativangeboten, Yoga und Selbstverteidigung aus. Besonders der Chor wurde schnell zu meiner Lieblingsaktivität. Wir sangen gemeinsam viele verschiedene Lieder und hatten dabei unglaublich viel Spaß. Ein Höhepunkt war der Kulturabend, an dem wir unsere Ergebnisse und Lieder den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern präsentierten.
Nach der KüA-Zeit ging es 16 Uhr mit Kaffee und Kuchen weiter, bevor am Nachmittag die zweite Kursschiene begann. Von 16:30 bis 18:30 Uhr arbeiteten wir noch einmal gemeinsam in unseren Kursen, bevor es zum Abendessen ging. Doch auch danach war der Tag noch lange nicht vorbei. In der abendlichen Freizeit saßen wir häufig gemeinsam am See, unterhielten uns oder nahmen noch an weiteren Aktivitäten teil. Es gab verschiedene Abendveranstaltungen, Spiele- und Kulturabende und natürlich viele spontane Unternehmungen. Und wenn das offizielle Programm irgendwann vorbei war, ging es häufig noch bis tief in die Nacht weiter. Besonders das gemeinsame Spielen von „Werwolf“ konnte sich schon gerne mal bis vier Uhr morgens ziehen, sodass Schlaf während der Akademie definitiv nicht unsere größte Priorität war.
Auch außerhalb des offiziellen Programms gab es immer etwas zu erleben. Unsere Unterkunft lag direkt an einem See, auf dem wir gemeinsam Boot fuhren oder einfach zusammensaßen. Andere Male fuhren wir mit Fahrrädern in die Papenburger Innenstadt, schauten uns die Kanäle an, besuchten ein Café oder einen Flohmarkt. Bei einer gemeinsamen Fahrradtour ging es sogar bis ins Moor, wo wir eine Führung bekamen.
Besonders beeindruckend war für mich, wie schnell aus völlig fremden Menschen enge Freunde werden konnten. Die Atmosphäre war nicht mit der normalen Schule zu vergleichen. Obwohl wir uns zum gemeinsamen Lernen getroffen hatten, fühlte sich vieles überhaupt nicht nach Unterricht an. Alle waren offen, lustig und auf einer Wellenlänge. Auch die Kursleiterinnen und Kursleiter waren sehr nahbar und verbrachten außerhalb der Kurse Zeit mit uns. Nach und nach entstand eine Gemeinschaft, in der sich jeder aufgehoben fühlen konnte.
Genau deshalb war der Abschied so schwer. Am letzten Tag kamen noch einmal alle zu einem gemeinsamen Plenum zusammen. Wir bekamen Zeit, uns voneinander zu verabschieden und spätestens als wir gemeinsam unser letztes Chorlied „An Irish Blessing“ sangen, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Menschen, die 13 Tage zuvor noch völlig fremd gewesen waren, lagen sich plötzlich in den Armen. Gleichzeitig wusste niemand, wann oder ob man sich wiedersehen würde, denn alle mussten anschließend in die unterschiedlichsten Teile Deutschlands zurückkehren. „And until we meet again“ wurde dadurch zu mehr als nur einer Liedzeile.
Rückblickend habe ich aus der Schülerakademie vielleicht nicht nur fachlich am meisten mitgenommen, sondern vor allem persönlich. Ich musste meine Angst und Zweifel überwinden und allein an einen 650 Kilometer entfernten Ort fahren, an dem ich niemanden kannte. Heute bin ich unglaublich froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Die 13 Tage in Papenburg waren für mich eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens. Ich habe neue Dinge ausprobiert, wundervolle Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen, die auch nach der Akademie bestehen bleiben.
Ich würde daher jedem, der die Möglichkeit bekommt, an einer Schülerakademie teilzunehmen, von Herzen empfehlen, diese Chance zu nutzen. Auch wenn die ersten Tage vielleicht ungewohnt oder beängstigend wirken, lohnt es sich!








