Methodentraining und Komplexe Leistung

Methodentraining

„SAGE ES MIR, UND ICH VERGESSE ES;
ZEIGE ES MIR, UND ICH ERINNERE MICH;
LASS ES MICH TUN, UND ICH BEHALTE ES.“
(Konfuzius)

Komplexe Leistung

In unserer Schule ist die Komplexe Leistung mit Präsentation im Konzept des Methodenlernens in Klassenstufe 10 verankert, um die Schüler auf den Übergang in die Sekundarstufe 2 des Gymnasiums vorzubereiten.

Die Schüler erlernen komplexe und wissenschaftliche Denkstrukturen und Arbeitsweisen, die in der gymnasialen Oberstufe angewendet und vertieft werden.

Die Komplexe Leistung als Basis für eine Besondere Lernleistung (BELL)

Harry Potter statt mündlicher Prüfung?
von Mina Hänsel

Du hattest in der 10. Klasse Spaß daran, die Belegarbeit zu schreiben und hattest keine Probleme, dir die Zeit gut einzuteilen und das Arbeitspensum zu bewältigen? Du hast ein interessantes Hobby oder Interessen, über die du eine wissenschaftliche Arbeit schreiben könntest? Du bist lieber auf ein Thema vorbereitet und magst Präsentationen mehr, als mündlich irgendein Thema vorstellen zu müssen?
Dann ist die „Besondere Lernleistung“ vielleicht eine gute Alternative einer mündlichen Prüfung für dich.
Dabei entscheidest du dich, ähnlich wie bei der Belegarbeit in der 10. Klasse, für ein Thema, das dich interessiert, in einem Fach deiner Wahl. Auch hier steht dir dann ein Fachlehrer zur Seite, der dich durch den Arbeitsprozess begleitet und am Ende bewertet. Du hast dabei aber wesentlich mehr Zeit (das ganze 11. Schuljahr und das 1. Halbjahr des 12.) und musst einem etwas größerem Umfang im theoretischen Teil gerecht werden (minimal 15 Seiten und maximal 25 Seiten).

Die Besondere Lernleistung oder kurz „BELL“ setzt sich aus drei Teilen zusammen:

  1. Der theoretische Teil: Dies ist eine Art wissenschaftlicher Bericht und die Grundlage für die beiden anderen Teile. Hier legst du deine Recherchen und Erkenntnisse zu deinem Thema dar.
  1. Der praktische Teil: Wie auch in der Belegarbeit musst du, passend zu deinem Thema, eine praktische Arbeit leisten. Je nach Unterrichtsfach, in dem du schreibst, kann das ganz unterschiedlich aussehen: z.B. könnte man in Physik oder Chemie ein Experiment durchführen oder in den Gesellschaftswissenschaften ein Interview oder eine Umfrage durchführen. Die Möglichkeiten sind grenzenlos, deine praktische Arbeit muss nur zu deinem ausgewählten Thema passen.
  1. Die Präsentation: Nachdem du deine theoretische und praktische Arbeit zur Bewertung abgegeben hast, musst du im Zeitraum der mündlichen Prüfungen deine Erkenntnisse vor einem sogenannten Kolloquium vorstellen. Dies besteht aus deinem betreuenden Fachlehrer und zwei weiteren Lehrern. Im ersten Teil hältst du eine PowerPoint-Präsentation über deinen Arbeitsprozess und wichtige Erkenntnisse, die du währenddessen gewonnen hast, und stellst deine praktische Arbeit vor. Im zweiten Teil stellen dir die Lehrer anschließend Fragen zu deinem Vortrag und deiner Vorgehensweise.

Auf alle drei Teile bekommst du Punkte und der Durchschnitt dieser ergibt deine Gesamtnote. Diese ist dann gleichwertig einer mündlichen Prüfung. Zusätzlich hast du in der 12. Klasse auch die Möglichkeit, eines deiner Nebenfächer (je nach Fächerkombination unterschiedlich) nicht mehr weiter zu belegen, damit du mehr Zeit zur Vollendung deiner BELL hast.

Diesen ganzen Prozess möchte ich im Folgenden an meinem Beispiel verdeutlichen:
Ich bin ein ziemlich großer Fan von Fantasy-Geschichten und Lesen im Generellen. Deswegen und weil ich schon meine Belegarbeit über Fantasy-Literatur geschrieben habe, war es für mich ziemlich naheliegend, für meine BELL ein Thema in diese Richtung zu wählen. Die Romanreihe um Harry Potter begleitet mich schon eine ganze Weile und ich hatte schon immer Lust, mich näher damit auseinanderzusetzen. Entschieden habe ich mich am Ende für einen „Vergleich des ersten und des letzten Harry-Potter-Romans von J.K.Rowling und Schreiben einer eigenen Geschichte, angesiedelt in der Vergangenheit des Harry-Potter-Universums“.
Dies bot mir die Möglichkeit, mich im praktischen Teil kreativ ausleben zu können und mich im Schreiben meiner eigenen Geschichten zu verbessern. Dabei habe ich über die Jugend und Schulzeit von Harry Potters Eltern geschrieben, da darüber recht wenig bekannt war und ist und ich so viele eigene Ideen umsetzen konnte. Am Ende habe ich einen Roman mit 15 Kapiteln geschrieben und mein Selbstbewusstsein und meine Kreativität durchaus gestärkt.
Im theoretischen Teil hatte ich vorher die beiden Bücher hinsichtlich der Charakterisierung der Hauptcharaktere, der Darstellung der Umwelt und des Weltbildes und deren Veränderung im Laufe der Bücher verglichen. Dies war eine gute Grundlage für den praktischen Teil, da ich meine Erkenntnisse gleich praktisch umsetzen konnte und mir einige zusätzliche Recherchen ersparen konnte.
Schließlich habe ich meine Ergebnisse vor kurzem präsentiert und meinen Vortrag zusätzlich mit diversen Anschauungsmaterialien, wie Film-Repliken, Büchern und einem Kostüm, untermalt.

Alles in allem kann ich nur immer wieder betonen, wie lehrreich und faszinierend diese Erfahrung und der Schreibprozess der BELL für mich war:
Mir blieb dadurch nicht nur eine mündliche Prüfung erspart, sondern ich konnte für meine Zukunft viele wichtige Erfahrungen, die nichts mit dem Thema zu tun haben, sammeln. Ich habe gelernt, unter Zeitdruck zu arbeiten und mich und die mir zur Verfügung stehende Zeit zu strukturieren. Außerdem bot dies einen guten Einblick und eine Vorübung für ähnliche Arbeiten in der Zukunft, z.B. an Hochschulen oder Universitäten. Natürlich gibt es immer Hochs und Tiefs, aber das fertige Produkt war mit Sicherheit jede Mühe wert. Zusammenfassend kann ich die BELL als eine sehr gute Alternative für eine der mündlichen Prüfungen nur empfehlen.

Wenn du jetzt als Schüler Interesse an meinem Thema gefunden hast, auch Harry-Potter-Fan bist oder du einfach mal sehen willst, wie eine BELL konkret aufgebaut ist, dann folge doch gerne dem Link! Dort findest du meinen theoretischen und den praktischen Teil.

Viel Spaß beim Lesen!