Die Königsberger Revolution des Denkens

Es ist noch nicht lange her, als sich der Todestag Immanuel Kants am 12. Februar diesen Jahres zum zweihundersten Mal jährte, und wir als Kantianer hatten das an diesem Tage wohl in keinster Weise im Gedächtnis oder haben es gar feierlich begangen. Wir haben uns gefragt, woran das liegen könnte, dass man zu einem solchen Anlass nicht an die genialen Gedanken des Mannes erinnert, dessen Namen unser Schule trägt, und sind zu dem Schluss gekommen, das ihr und wir selbst eigentlich viel zu wenig über Kant wissen...

Alles begann an einem milden Sommerabend im Jahr 1730. Ein kleiner Junge macht mit seiner Mutter vor den Mauern Königsbergs einen Spaziergang. Die Mutter erklärt ihrem ältesten und ernsten Sohn, der damals noch den Namen Emanuel Kandt trug, bereits vor dessen Schuleintritt all jene Dinge, die sie selbst weiß: der kleine Emanuel wird mit Natur und Sternenhimmel vertraut gemacht. "Sie pflanzte und nährte den ersten Keim des Guten in mir, sie öffnete mein Herz den Eindrücken der Natur, sie weckte und erweiterte meine Begriffe." - mit diesen Worten beschrieb Immanuel Kant später seine Mutter, die er bereits mit 13 Jahren verlor. Wie schon gesagt - die Mutter brachte Immanuel Kant dazu, Dinge nicht als gegeben hinzunehmen, sondern kritisch zu hinterfragen und eigene Gedanken aufzustellen.
Immanuel Kant hat sich mit seiner Meinung und seinen Gedanken nie versteckt.

Bereits sein erstes Werk "Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels" spiegelt seinen Mut wider: Er handelt auf nicht einmal 50 Seiten die gesamte Problematik von der Entstehung und Geschichte der Welt ab, noch dazu in deutscher Sprache! Für einen 22-jährigen eine gewagte, bewundernswerte Tat. Kant, eine ansonsten magere blasse Erscheinung, von unförmiger Statur, war in seinem Geist weit fortgeschrittener als mancher Zeitgenosse und avancierte mit seinem Aufsatz zur Aufklärung mit dem berühmten Satz "Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen" zur Hauptfigur dieser Strömung. Er rief die Menschheit zum "Austritt aus ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit auf". Ein Aufruf, der in heutiger Zeit, so hat man manchmal den Eindruck, ebenso angebracht ist, wie zu Kants Zeiten. Das interessante an diesen und den anderen über zweihundert Jahre alten Gedanken ist, dass sie auch heute noch auf Probleme anwendbar sind, was gerade in einer "Geisteswissenschaft" wie der Philosophie bemerkenswert ist.
Kant, hat großes geleistet, nicht nur, weil er bis heute nie ernsthaft widerlegte Theorien entwarf, sondern auch, weil er genau das auf sein Leben anwendete, was er gesagt hat. Zum Beispiel den kategorischen Imperativ oder seine Pflichtenethik . Mit seinem bis ins Detail durchgeplanten pflichtgemäßen Leben waren seine Worte nicht nur leere Floskeln, sondern er selbst war Vorbild.

"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."  I. Kant

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