„Was? Ich soll meine Ferien dafür opfern?!“ - Die Deutsche Schülerakademie 2016

„Bei der  Deutschen Schülerakademie handelt es sich um ein außerschulisches Programm zur Förderung besonders leistungsfähiger und motivierter Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe. Die Akademien finden in den Sommerferien statt und dauern jeweils 16 Tage. Sie bestehen aus sechs Kursen mit Themen aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen."

 Ein ungewöhnliches Angebot. Schule in den Ferien? Mal ganz ehrlich, wer will das schon? 
 Dass die Deutsche Schülerakademie (DSA) sehr viel mehr als Schule ist, habe ich glücklicherweise früh genug erkannt. Mit Hilfe von Frau Schiel habe ich mich beworben und bekam so die einmalige Chance herauszufinden, was sich wirklich hinter der DSA verbirgt. Ich habe dieses Jahr vom 21. Juli bis zum 6. August an der Sommerakademie im mecklenburgischen Internatsschloss Torgelow bei Waren an der Müritz teilgenommen.

(1) Gruppenfoto aller Akademieteilnehmer (2) Internatskomplex Schloss Torgelow (3) Der Glückskurs posiert in typischer Freud-Pose vor dem torgelower See

Schon im Vorhinein war mir die berühmt-berüchtigte „Akademieatmosphäre“ ein Begriff; und es stimmt! Dieses Gefühl, das man hat, wenn man mit einhundert bis dato wildfremden jungen Menschen zusammenkommt, mit ihnen lebt, Spaß hat und arbeitet, ist einfach unbeschreiblich. Es entsteht ein eigenes kleines Universum, in dem es um Kreativität und Ideen, um Wissenschaft und Talente und um Austausch geht.

Ein normaler Akademietag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück, gefolgt vom täglichen Plenum, wo alle Teilnehmer, Kursleiter und die Akademieleitung zusammenkommen um den kommenden Tag zu planen. Am Vormittag gibt es zwei Kursschienen, unterbrochen von der Kaffeepause, in einem von sechs Kursen, den ich bereits vor Beginn der Akademie gewählt habe. Es gibt Kurse zu allen denkbaren Themen. In jedem Kurs sind etwa sechzehn Teilnehmer. Mein Wunschkurs trug den Titel „Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt – Glück und Unglück im menschlichen Denken und Fühlen“. Darin haben wir uns intensiv mit psychologischen aber auch philosophischen Glückskonzepten beschäftigt. Die Kursarbeit im Glückskurs ist nicht vergleichbar mit einer Schulstunde. Meine Kursleiter Daria und Raphael, zwei junge studierte Psychologen, haben uns engagiert und professionell an das Thema herangeführt und wichtige Grundlagen vermittelt. Es gab lebhafte Diskussionen, an denen ausnahmsweise der komplette Kurs beteiligt war, weil wir ja alle freiwillig da waren; Gruppenarbeiten; Präsentationen und praktische Projekte.

Nach dem Mittagessen steht eine KüA-Schiene auf dem Programm. Diese Zeit ist kursübergreifenden Angeboten vorbehalten. Die Organisation ist sowohl simpel als auch brillant: Jeder, der etwas kann, hat die Möglichkeit, es den anderen beizubringen. Es gibt immer genügend Leute, die sich für genau diese Sache begeistern, die du auch toll findest, und so kommt eine riesige Auswahl an Angeboten zustande: Poetry-Slam, Improtheater, Chor, Fußball, Tennis, Yoga, Workout, Zeichnen, Jonglieren, Debattieren, Orchester. So bekamen wir die Möglichkeit, mal eben eine Band zu gründen oder einen Club „kreatives Schreiben“ zu eröffnen, wenn wir Lust hatten. Trotz dass die KüAs keinesfalls Pflichtveranstaltungen sind, waren sie immer gut besucht. Wenn an dem einen oder anderen Tag mal nichts für mich dabei war, bin ich gerne mit ein paar Leuten paddeln oder schwimmen gegangen. Das war Tag wie Nacht möglich und – solange in Begleitung von Freunden – auch erlaubt. Das bringt mich zu einem anderen Aspekt. Während der gesamten Akademie wird den Teilnehmern von Seiten der Akademieleitung ein solches Vertrauen entgegengebracht, dass es mich anfangs richtig aus dem Konzept gebracht hat, so erwachsen behandelt zu werden. Die Computerräume waren 24 Stunden am Tag geöffnet und benutzbar; wir konnten uns alle möglichen Materialien – von Sportgräten bis hin zu Laptops – immer ausleihen; der Süßigkeiten- und Getränkekiosk basierte auf einem System, bei dem jeder, der etwas nimmt, das einfach bei seinem Namen in eine Liste einträgt und wie selbstverständlich gingen die von uns organisierte Halbzeits- und Abschlussparty die ganze Nacht lang, obwohl die Akademieleitung längst ins Bett gegangen war. Es kam nicht einmal der Gedanke auf, dieses Vertrauen zu missbrauchen.

Nach der Kuchenpause geht es am späten Nachmittag in die letzte Kursschiene, bevor es Abendbrot gibt und danach wieder Zeit für KüAs ist. Meine Tage gingen selten vor 01:00 Uhr zuende, wobei viele andere länger wach waren, hauptsächlich um zusammenzusitzen und „Werwolf“ zu spielen. Die freien Sonntage und auch der Exkursionstag kamen zur Entspannung wie gerufen.

Das aufregendste der gesamten Akademie waren die vielen unterschiedlichen Menschen, die ich jetzt meine Freunde nennen darf. Tatsächlich wird Ende September bereits das erste Nachtreffen der DSA Torgelow 2016 stattfinden, bei dem ein Großteil der Teilnehmer aus ganz Deutschland wieder zusammenkommt.

Es gibt zwei Wege zu einem Platz in der Deutschen Schülerakademie: Man muss entweder von seiner Schule vorgeschlagen werden oder erfolgreich an einem bundes- oder landesweiten Schülerwettbewerb teilgenommen haben. In jedem Fall lohnt es sich, auf diese unbeschreiblich schöne Zeit hinzuarbeiten, die ich persönlich nicht vergessen werde.

Ich möchte mich bei Frau Schiel bedanken, die mich überhaupt erst auf die Existenz der Deutschen Schülerakademie aufmerksam gemacht und mich beworben hat. Ein besonderer Dank gilt auch dem Freundeskreis, der mir durch finanzielle Unterstützung die Teilnahme an diesem horizonterweiternden Projekt ermöglicht hat!

DSA Friedericke Wagner Sommer Akademie Sommercamp
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