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16 unvergessliche Tage im Sommer

Treffen sich vier Physiker, drei Musiker, ein Mathematiker, zwei Abiturienten, zwei Ökonomen, zwei Philosophen, zwei Sprachwissenschaftler und 94 Schülerinnen und Schüler und es wird ein fantastischer Sommer in Roßleben.

 

Die Deutsche SchülerAkademie existiert seit 1988. Sie ist ein außerschulisches Programm der Initiative Bildung & Begabung zur Förderung besonders begabter und motivierter Oberstufenschüler, welche sich aus ganz Deutschland für 16 Tage in den Kursen zu exemplarischen Fragestellungen aus der Mathematik, den Naturwissenschaften, den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, der Wirtschaft, den Fremdsprachen, der Musik, Medizin … an verschiedenen Orten treffen. Neben der fachlichen Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand ist die Vermittlung und Einübung wissenschaftlichen Arbeitens wesentlicher Bestandteil der Kursarbeit. Zusätzlich wird eine Dokumentation erstellt, in der die wichtigsten Ergebnisse festgehalten werden.

Frau Schiel bot mir im letzten Winter die Unterstützung bei einer Bewerbung seitens der Schule an. Gerne nahm ich diese Gelegenheit wahr und entschied mich aus einem umfangreichen Angebot für meinen Kurswunsch Differentialgeometrie (Mathematik) in der Klosterschule Roßleben. Zu meiner Freude ging mein Wunsch in Erfüllung und ich durfte mich mit Mario Schulz (Mathematikdoktorant von der Universität Zürich), Phillip H. v. Loewenfeld (Physiker von der Universität München) und 15 weiteren mathematikbegeisterten Schülern aus allen Bundesländern am 19.07.2018 in der Klosterschule mit Internat treffen. Außerdem wurden am gleichen Ort noch die Kurse „Quanteninformationstheorie“ (Physik), „Surfen am Limit“ (Informatik und Wirtschaft), „Bin ich, was ich spreche?“ (Sprachwissenschaften), „Rechtfertigung, Kritik und Grenzen von Toleranz“ (Philosophie) und „Punk“ (Musik und Politik) angeboten. Der Tagesablauf war komplett durchorganisiert. Es begann 7:30 Uhr mit dem gemeinsamen Frühstück in der Mensa. Um 8:30 rief der Akademieleiter Dr. Thomas Wotschke uns mit der Vuvuzela zum Plenum, in welchem er den Tagesablauf schilderte, über Nachrichten aus aller Welt informierte und kursübergreifende Angebote für den Abend von Teilnehmern vorgeschlagen wurden. 3 Stunden am Vormittag und 1,5 Stunden am Nachmittag gab es intensive Kursarbeit. Der Mathematikkurs beschäftigte sich mit dem Thema Differentialgeometrie, welches eigentlich im fünften Semester des Mathestudiums behandelt wird. Dabei bildeten wir unter anderem Flächen und Kurven in höhere Dimensionen ab, berechneten deren Krümmung und Flächeninhalt in dieser und bestimmten Flächen, welche mit vorgegebenem Rand einen minimalen Flächeninhalt haben. Dieser moderne Bereich der Mathematik verknüpft Bereiche der Analysis und Geometrie und löst somit viele mathematische Probleme. Die Unterrichtsweise und die Dokumentation waren an das Studium und die dort geforderte Masterarbeit angelehnt. Dazu mussten wir die Software LaTeX verwenden, wozu es in der Nacht Einführungen gab, da Text und Formeln „programmiert“ werden mussten.  

Ein Ziel der Akademie ist auch die Verknüpfung von Wissenschaft und Künsten. Dazu wurde in der Mittagsfreizeit ein Akademiechor angeboten, welchen ein eigens dafür arrangierter Chorleiter leitete. Obwohl ich diesbezüglich keine Erfahrung habe, hat mich diese Freizeitaktivität durchgehend begeistert, weil man mit dem öffentlichen Abschlusskonzert und einem sehr netten Chorleiter immer wieder zwischen dem anstrengenden Kursunterricht Motivation dafür schöpfte. Beim sehr gut besuchten Abschlusskonzert wurden 24 Darbietungen gezeigt, wobei der Chor die täglich 1,5 stündigen gelernten, bis zu vierstimmigen Werke präsentierte. Die Abende gestalteten sich abwechslungsreich. Neben Gesprächen mit Kursleitern und anderen Schülern wurden die, früh im Plenum für den Abend besprochenen küAs (kursübergreifende Angebote), durchgeführt. Dazu zählten Diskussionen, musikalische Aktivitäten, Spiele, Sport, Turniere, Weiterbildungen, Entspannung…. Ich nutzte regelmäßig die sportlichen Angebote, wie Fußballturniere, Tischtennis, Tennis, Ultimate Frisbee, Volleyball und Basketball. Dabei kam man ins Gespräch und hatte die nötige Abwechslung zum Lernalltag. Auch beobachteten wir astronomische Ereignisse, wie die Mondfinsternis, mit eigens dafür bestellten Teleskopen.

Als Ausgleich zwischen den normalen Akademietagen wurde eine Exkursion unternommen. Neben Wandern, Fahrradtour, Stadtexkursionen nach Weimar und Leipzig entschied ich mich für eine Kanutour auf der nahegelegenen Unstrut.

Zur Halbzeit gab es am Vormittag die „Rotation“, bei der man in Zweiergruppen Teilnehmern aus anderen Kursen Vorträge über die eigenen Kursinhalte hielt. Dabei bestand die Schwierigkeit darin, die durchaus komplizierten Inhalte verständlich und fachlich korrekt zu erklären. An diesem Abend gab es nach einem Sportturnier, an dem auch die Akademieleitung teilnahm, eine Halbzeitparty. Sehr einfallsreich arbeitete unsere Akademieleitung, die neben umgeschriebenen Liedern und lustigen Aktionen zum Munterwerden, uns auch mit Wasserschlachten und einem bestellten Pool bei ständig heißen Temperaturen von über 33°C überraschte.  

Informativ war der Studieninformationsabend, an dem die Kursleiter aus eigener Erfahrung über Studienwahl, Studienort, Stipendien, Bafög, Berufswahl und Unileben berichteten.

Als der Abschied nahte, gab es eine große Putzaktion und das traditionelle Abschiedsbriefeschreiben. Dabei konnte jeder Teilnehmer Briefe an beliebige Kursleiter und Teilnehmer schreiben.

Am Morgen nach der Abschlussparty hieß es, sich zu verabschieden. Dabei standen die Kursleiter Spalier und man konnte sich bei jedem bedanken.

Für mich war es eine sehr informative, lehrreiche, aber auch anstrengende Zeit. Trotz alledem hatten wir immer Spaß und funktionierten als Gruppe Gleichgesinnter sehr gut.

Ich möchte mich auf diesem Weg herzlich bei Frau Schiel bedanken, da nur durch Sie mir diese schöne Zeit geboten wurde.

"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."  I. Kant

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