Unser Jugendaustausch nach Israel 2019

Dem Abenteuer „Jugendaustausch“ unter dem Motto „TIME TO MOVE- Es ist Zeit, aufeinander zuzugehen“ und damit für zehn Tage in israelischen Familien zu leben stellten sich 16 Jugendliche unserer Schule zwischen 15 und 18 Jahren. Natürlich wurden wir von unseren Lehrern, Herrn Wiegel und Frau Rauch, begleitetet, gemeinsam hatten wir uns über ein Jahr darauf vorbereitet und waren selbst im Sommer Gastgeber für 18 israelische Jugendliche. Nun lebten wir in Gastfamilien in Holon (Vorort von Tel Aviv), gingen mit unseren Freunden in die Schule, unternahmen Familienausflüge und natürlich auch kleinere Reisen, um das Land, seine Kultur und Geschichte, die Religionen kennenzulernen und damit das Lebensgefühl der Israelis nachzuempfinden.

Herzlich war die Begrüßung in den Gastfamilien, wir wurden als weitere "Tochter" oder weiterer "Sohn" aufgenommen. Am nächsten Tag holte uns der Bus ab und der erste Ausflug führte uns nach Tel Aviv. Shmulik, der Organisator von israelischer Seite, zeigte uns mehrere Denkmäler, wunder­schöne Boulevards und die Architektur des Bauhauses. Ein sehr faszinierender Punkt unseres Pro­gramms war der Carmel Market, auf welchem man von Gewürzen über Schmuck bis hin zu Essen alles kaufen kann. Nachmittags ging es dann, nach einem Spaziergang auf der Strandpromenade, ans Meer, auf das sich alle schon lange gefreut hatten. Am frühen Abend holten uns die Israelis von dort ab und wir verbrachten einen Teil des Abends weiterhin in Tel Aviv.

 

Donnerstag, dem dritten Tag unserer Reise, verabschiedeten wir uns früh bei den Gastfamilien, da wir nach Jerusalem fuhren. Unsere erste Station war dort die zentrale Gedenkstätte „Yad Vashem“, die an die schrecklichen Verbrechen des Holocausts erinnert. Hier werden allerdings auch diejeni­gen geehrt, die während der Zeit des Nationalsozialismus Juden halfen zu überleben, so konnten wir in der Allee der "Gerechten unter den Völkern" auch die Bäume für Oskar und Emilie Schindler finden. Vor unserer Nacht im Hostel unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang in das „moderne Jerusalem“ - die Ben Yehuda Street, wo wir ausreichend Zeit hatten, um uns selbst umzusehen, Eis zu essen und Souvenirs zu kaufen.

Mehr oder weniger ausgeschlafen starteten wir am nächsten Morgen mit der Besichtigung der Alt­stadt von Jerusalem. Wir sahen das armenische und das christliche Viertel mit der Grabeskirche, das muslimische Viertel, in welchem wir Freizeit auf einem riesigem Basar hatten und das jüdische Viertel. Hier konnten wir die bekannte Klagemauer bewundern, sie besitzt zwei Abschnitte, einen Teil für Männer und einen für Frauen. Wir hatten die Möglichkeit einen kleinen Zettel mit unseren Wünschen in der Mauer zu hinterlassen. Alle freuten sich, als wir nochmals ein bisschen Zeit hat­ten, um uns allein ein wenig in der wunderschönen und einmaligen Stadt umzusehen. Shmulik gab uns hilfreiche Tipps, zum Beispiel, wie man am besten auf dem Basar handeln sollte oder wo man gutes, aber trotzdem preiswertes Essen kaufen kann.  Somit konnten wir unseren Hunger stillen und uns nach schönen Andenken umschauen. Danach ging es mit dem Bus wieder zurück zu den Gast­familien.

Am Samstag, dem Sabbat, hatten wir nichts mit unserer Gruppe geplant. Einige fuhren an diesem Tag an den Strand, einige nach Tel Aviv und manche schauten sich die Stadt Jaffa an. Abends haben sich alle nochmal zum Bowling spielen getroffen, jedoch mussten einige, um zum Bowling zu gelangen, durch einen von den seltenen Regenschauern laufen, was auch für die Israelis ein eher ungewöhnliches Erlebnis war. Durch den freien Tag (Samstag ist der einzige schulfreie Tag in Israel) konnten wir den gesamten Tag mit den Israelis und deren Familien frei gestalten und genießen.

Den nächsten Tag verbrachten wir wieder gemeinsam in unserer Gruppe mit den Lehrern und Shmulik. Wir besichtigten Jaffa, die Altstadt von Tel Aviv, und wurden durch die vielen schmalen Gänge der wunderschönen Stadt geführt. Außerdem liefen wir am einzigartigen Hafen und dem nebenliegenden Strand entlang. Viele haben Jaffa als eine der schönsten Städte wahrgenommen, die wir in Israel gesehen haben.

Am Montagmorgen hieß es erneut Abschied von unseren Gastfamilien zu nehmen: Eine zweitägige Fahrt mit sehr unterschiedlichen Zielen stand auf dem Programm. Sobald sich alle Schüler am Treffpunkt in Holon eingefunden hatten, konnte die circa zweistündige Fahrt zum ersten Ziel unserer Route, der größten Hafenstadt von Israel Haifa, losgehen. Herr Wiegel, Frau Rauch und Shmulik nahmen uns hier auf eine Stadttour der etwas anderen Art und Weise mit. Trotz einer Vielzahl von wissenswerten Vorträgen hatten wir viel Spaß. Besonders beeindruckend sollte für uns der zweite Stopp des Tages werden, der Karmelberg. Als wir diesen erreicht hatten, bot sich uns ein einmaliger Blick auf die sogenannten persischen Gärten und die historische Templerkolonie.

Nachdem wir alle diesen atemberaubenden Panoramablick genossen hatten, setzen wir unseren Trip fort und erreichten schon bald Akko, eine Stadt, die sogar Weltkulturerbe ist. Auch hier wurden wir von unseren Lehrkräften auf eine humorvolle und trotzdem sehr aufschlussreiche Tour durch die ehemalige Stadt der Phönizier, Kreuzfahrer und Türken mitgenommen. Als wir am späten Abend unsere nächtliche Unterkunft Karei-Deshe erreichten, welche direkt am See Genezareth liegt, konnten wir dort nach dem Abendessen nur noch müde und voller bleibender Eindrücke ins Bett fallen.

Wachgekitzelt von den ersten Sonnenstrahlen am nächsten Morgen, nutzten einige von uns die Möglichkeit ein Bad im praktisch vor der Haustür liegenden See Genezareth zu nehmen. In den scheinbar unendlichen Weiten des größten Süßwasserreservoirs Israels um sechs Uhr morgens dem Sonnenaufgang entgegen zu schwimmen - diese Erfahrung gemacht zu haben, ist einfach einmalig und unbezahlbar! Nach dem Frühstück begaben wir uns sofort auf unseren Weg zum Naturreservat En Gedi. Hierzu mussten wir zuerst eine etwas längere Fahrt entlang dem Jordan durch das West­jordanland überstehen. Dies war jedoch kein großes Problem, denn die wunderschöne Wüstenland­schaft, die wir aus dem Busfenster hinaus bewundern konnten, war einfach zu fesselnd. Angekom­men am En Gedi Nationalpark, machten wir eine kleine Wanderung durch die unverwechselbaren Berge und Sümpfe dieser Oase. Durch eine kleine Wasserschlacht an einem der vielen kleinen im Reservat zu findenden Wasserfällen, behielten wir alle, trotz der hohen Temperaturen, einen kühlen Kopf. Im Anschluss an unsere Wanderung legten wir noch einen kurzen Badestopp am Toten Meer ein, welches einen durchschnittlichen Salzgehalt von 28 Prozent hat. Dieser macht es möglich, dass man sich einfach ins Wasser legt und quasi schwebt, ohne dabei den von spitzen Salzkristallen übersäten Boden zu berühren.  Am zeitigen Abend kehrten wir wieder nach Holon zurück, wo unsere Gastfamilien uns schon sehnsüchtig erwarteten.

Schon gegen sieben Uhr morgens hieß es am nächsten Tag: „Raus aus den Federn!“. Ein Besuch gemeinsam mit den israelischen Schülern in ihrer Katzir-Highschool stand an. Besonders beein­druckend war an diesem Tag das große Interesse und der durchweg freundliche Umgang von Seiten der israelischen Schülerschaft mit unserer Gruppe. Neben einem Schnupperkurs in die für Israel typische Selbstverteidigungstechnik Krav Maga standen für uns noch das Anschauen des Filmes „Walk on Water“ sowie eine anschließende Diskussion über den Film auf dem Programm. Shmulik thematisierte dabei insbesondere den Umgang mit- und untereinander. Als endlich das Klingeln zum Schulschluss ertönte, waren wir für diesen Tag entlassen und verbrachten den restlichen Tag mit den Israelis.

Als wir am Donnerstag realisierten, dass dieser jetzt schon wirklich der letzte Tag unserer Reise war, wurde uns bewusst, dass die Zeit wortwörtlich wie im Fluge vergangen war. Einen entspannten Donnerstagvormittag mit Begegnungen und Besichtigungen verbrachten wir mit Herrn Wiegel und Frau Rauch in Tel Aviv. Hier konnten nochmal letzte Besorgungen hinsichtlich Souvenirs für Familie und Freunde gemacht werden oder man ging noch einmal an den Strand von Tel Aviv. Die verbleibenden Stunden des Nachmittags genossen wir in vollen Zügen mit unseren israelischen Freunden. Bei einer Abschlussparty am Abend, welche von den Gasteltern organisiert wurde, konnten alle ein letztes Mal gemeinsam beim israelischen Nationalgericht Falafel, lachen, diskutie­ren, ins Gespräch kommen und die vergangenen Tage Revue passieren lassen.

Gegen 23 Uhr abends war es dann leider schon so weit, die Zeit für den Abschied war gekommen. Hierbei konnte wir deutlich feststellen, was für einen extrem festigenden Einfluss unsere 10-tägige Reise auf die besondere Freundschaft mit den Israelis hatte: es flossen so einige Tränen, und bei der Abschiedsumarmung wollte man sich am liebsten für immer festhalten. Hätten unsere beiden Lehrer uns nicht regelrecht in den Bus zum Flughafen gezerrt, hätten wir sicher unseren Flug ver­passt. Dies ist jedoch nicht eingetreten und nach einem etwas langen und anstrengenden Aufenthalt im Flughafen in Tel Aviv startete unser Flieger zurück nach Prag pünktlich um sechs Uhr am Freitagmorgen. Als wir gegen neun Uhr in Prag gelandet waren, und unser Gepäck geholt hatten, stiegen wir müde und erschöpft in den schon wartenden Bus ein. Gegen 13 Uhr mittags kamen wir in Wilthen an und konnten dann auch endlich unsere Eltern begrüßen.

So wie wir nun hier sitzen und nochmal auf diese unglaublichen atemberaubenden zehn Tage zurückblicken, können wir eigentlich noch nicht so wirklich realisieren, was wir alles Beindruckendes erlebt haben. Wie sagt man immer so schön? „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist sieht nur eine Seite davon“. Wir persönlich finden es unglaublich toll, dass wir, obwohl wir so jung sind, durch diesen Schüleraustausch so unendlich viele neue Erfahrungen machen durften, Orte ge­sehen haben, die es kein zweites Mal auf dieser Welt gibt und generell etwas zum Leben dazuge­lernt haben. Ein besonderes Dankeschön gilt an dieser Stelle unseren zwei Lehrern Frau Rauch und Herr Wiegel sowie Shmulik. Danke, dass Sie mit uns das Abenteuer Schüleraustausch gewagt haben und uns dabei durch die Höhen und Tiefen begleitet haben. Vielen Dank auch unseren Eltern, ohne die wir nie die Möglichkeit gehabt hätten, solch eine Reise anzutreten sowie der Förderung durch das Land Sachsen, der Unterstützung durch die Ehrenamtsstiftung der Stadt Wilthen, der Kreissparkasse Bautzen sowie weiterer Sponsoren.

Neben all den schon genannten Dingen ist jedoch das schönste an diesem ganzen Austausch die starke Freundschaft, die sich während der gemeinsamen Zeit entwickelte. Wir glauben im Namen von allen Mitgliedern unserer Gruppe zu sprechen, wenn wir sagen, dass wir uns so etwas, fast schon Magisches, niemals erträumt hätten, als wir uns für den Austausch anmeldeten. Natürlich ist uns allen der Abschied deshalb so schwergefallen und logischerweise ist der Trennungsschmerz immer noch sehr groß. Genau erinnern können wir uns noch daran, wie ein Mädchen der Israelis beim Abschied sagte: „This was just the beginning“ - Das war erst der Anfang. Wir denken, dass wir ihr alle definitiv recht geben können, da ein erneutes Treffen für keinen von uns unwahrschein­lich ist.

Jette Gaens und Amanda Mirtschink

 

"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."  I. Kant

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